Pazifik: 40 000 Jahre Demonstrationslabor für die Wechselwirkung Mensch - Natur

 

Pazifische Inseln

Die Welt ist eine Insel - die einzige, die uns zur Verfügung steht. Wir verändern sie, d. h. unsere ökologische Umgebung, zunehmend und haben erkennbare Schwierigkeiten, Konsequenzen zu identifizieren und in unserem Handeln zu berücksichtigen - wie z. B. das zähe Ringen um nachhaltige Regeln für die Nutzung der Treibhausgas-Abfallhalde namens "Atmosphäre" oder die Sorglosigkeit im Umgang mit Ökosystemen zeigt.

Im Pazifik liegen um die 5000 Inseln.

 
             Ozeanien, mit den traditionellen kulturellen Regionen Polynesien, Melanesien und Mikronesien
  Dick schraffierte Linie: "Nahes Ozeanien" (westlich), "Fernes Ozeanien" (östlich)
  Quelle: Kirch 2000 (1)
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Die Karte oben zeigt die Pazifikregion mit der traditionellen Einteilung in Melanesien (von griechisch "μέλας" schwarz und "νῆσος" Insel, benannt nach der dunkelhäutigen Bevölkerung), Mikronesien ("kleine Inseln", hauptsächlich bestehend aus niedrigen Atollen) und Polynesien ("viele Inseln").
Polynesien umfasst etwa das Dreieck zwischen Hawai'i, Osterinsel und Neuseeland.
Der Begriff "Melanesien" ist geschichtswissenschaftlich veraltet und wird ersetzt durch "Nahes Ozeanien", welches die Region umfasst, die bereits in der Altsteinzeit, also vor früher als etwa 10 000 Jahren, besiedelt wurde.  
 

  • Vor 40 000 Jahren oder früher besiedelte Homo sapiens Neuguinea und Australien (beide bildeten damals, in der letzten Eiszeit, bei einem um 50-130 m niedrigeren Meeresspiegel, eine gemeinsame Landmasse namens Sahul). Dazu mußten die Menschen mehrere Meeresetappen von über 50 km Länge überqueren.
  • Um 13 000 v. h. (vor heute) wurden Entfernungen von mehr als 200 km überwunden, was bedeutet, dass in der Mitte der Reise weder Ausgangspunkt noch Ziel zu sehen waren.
  • Spätestens um 9000 v. h. wurde Ackerbau betrieben
  • Bis etwa 1000 u. Z. (unserer Zeitrechnung) wurde der gesamte Pazifik besiedelt, inklusive der in Polynesien teilweise  außerordentlich dünn verteilten Inseln wie Hawai'i, Osterinsel oder auch Neuseeland. Die Strecken betrugen bis zu mehreren tausend Kilometern.
  • Auf einigen Inseln entwickelten sich komplexe gesellschaftliche Strukturen, innerhalb derer große Bauten oder Skulpturen, teilweise aus tonnenschweren Steinen, hergestellt wurden - in der Steinzeit, also ohne Metallwerkzeuge.
  • Auf jeder Insel veränderte der Mensch, als invasive Art, die Natur. Durch Bejagung, Rodung, Brandlegung, Ackerbau sowie Einführung weiterer invasiver Arten (Ackerpflanzen, Nutztiere, unabsichtlich eingeschleppte Tiere und Pflanzen) wurden einheimische Pflanzen- und Tierspezies zurückgedrängt oder lokal ausgerottet.
  • Einigen Insel-Bevölkerungen gelang es, einen über Jahrhunderte mehr oder weniger stabilen Zustand herzustellen, bei anderen führte die Übernutzung der ökologischen Ressourcen zu Bevölkerungsrückgang, Krieg, Zerfall der sozialen Ordnung oder gar zum Aussterben / Auswandern der Population.

Der heutige Stand der Wissenschaft erlaubt vielfältige Blicke in die zivilisatorische und ökologische Geschichte zahlreicher dieser Inseln; es treten Muster auf, deren Relevanz für unsere eine Insel "Erde" man prüfen kann.




Quellenangaben
(1) P. Kirch, "On the Road of the Winds - An Archaeological History of the Pacific Islands before European Contact" (Berkeley: University of California Press, 2000)