Klimakonferenz der Vereinten Nationen Dezember 2010 in Cancún, Mexiko

 

Der Krimi von Cancún

 

1992 konstituierte sich das "United Nations Framework of Climate Echange" (UN-Klimarahmen-konvention, UNFCCC), um sich auf Basis der globalen Staatengemeinschaft mit dem Klimawandel zu befassen.
Nach einer ersten Konferenz in Rio de Janeiro 1993 wurde 1997 das Kyoto-Protokoll verfasst, das  auf Basis des wissenschaftlichen Standes der Technik ein konkretes Szenario formulierte, nach dem bis 2020 der Ausstoß vonCO2-Äquivalenten (2/3 CO2, 1/3 andere Treibhausgase) auf 46 Gigatonnen begrenzt sein, und bis 2050 auf 16 Gigatonnen jährlich reduziert sein müsse, um die globale Erwärmung unter 2o Celsius zu halten.
Es wurde von etwa 84 Staaten ratifiziert, wichtige Industrieländer (USA, Australien) und Schwellenländer (China) fehlten jedoch. Es war bis 2012 befristet.
Unter der  der Erkenntnis, dass ein zielführendes Vorgehen eine koordinierte Mitarbeit aller großen Emittenten erfordere, wurde 2009 in Kopenhagen über eine globale Nachfolge des Kyoto-Protokolls verhandelt.
Die Verhandlung scheiterte, es kam zu keinem Beschluss.


Im Kontext der Allmendetheorie stellte sich der historische Ablauf so dar:
1.
Erste Problemerkennung (Keeling-Kurve des CO2-Anstieges, siehe auch Klimafaktoren der Erdgeschichte (siebziger Jahre)
2. Erarbeiten eines wissenschaftlichen Problemverständnisses (siebziger Jahre bis heute)
3. Beurteilung der Wichtigkeit des Problems (achziger Jahre bis heute)
4. Selbstpositionierung der Akteure (Öffentlichkeit, Parteien, Staaten, Industriebranchen, Lobbygruppen usw.) (achtziger Jahre bis heute)

5. Beginn der Verhandlungen (1993)


Das Scheitern von Kopenhagen entsprang dem großen Rahmen (UN) in Kombination mit zu divergenten Standpunkten (euphorisches Voranschreiten Europas - Verweigerung, das Problem zur Kenntnis zu nehmen in USA - andere Prioritäten (Wachstum) in China - Forderungsmentalitäten der Industrieländer und der Schwellenländer untereinander).

Die nächste Klimakonferenz stand unter der pessimistischen Grunderwartung "Wir schaffen das nicht".

Ende 2010 fand in Cancún, Mexiko, die Folgekonferenz der Vereinten Nationen statt. Der "Krimi von Cancún" führte nach durchverhandelten Nächten und einem Beinahescheitern am vorletzten Konferenztag zu einem gemeinsamen Dokument. Dies wurde nur möglich durch die souveräne und kreative Verhandlungsführung durch die Leiterin und mexikanische Außenministerin, Patricia Espinosa, die "Mutter des Erfolges". Durch Übergehen eines letzten Blockierers (Bolivien) in einem an sich auf Einstimmigkeit angelegten Verfahrens habe sie "Rechtsgeschichte geschrieben, indem sie gezeigt habe, dass 'Obstruktion und der Missbrauch des Konsensprinzips keine Aussicht auf Erfolg' gehabt hätten".

Die "Beschlüsse von Cancún" addressierten wesentliche Hauptthemen: Verlängerung von Kyoto, Beteiligung aller Staaten an Klimaschutzzielen, Finanzierung der Anpassung von Klimaschutztechnologie für die Schwellenländer (dafür soll ab 2020 ein Fonds eingerichtet werden, der 100 Mrd. US-Dollar jährlich umfassen soll), Finanzierung von Klimafolgeschäden in den Schwellenländern, besonderer Schutz des Waldes.

Auf dieser Konferenz wurden keine konkreten und verbindlichen Beschlüsse gefaßt.
Ihr
Erfolg lag in der knapp, aber letztlich gelungenen Demonstration der Konsensfähigkeit der globalen Staatengemeinschaft.
Der Anspruch, harte  und belastbare Zahlen zu verhandeln, wurde weitergegeben an die nächste Konferenz 2011 in Durban, Südafrika.


Die Selbstpositionierung einiger Akteure auch des nichtpolitischen Bereiches hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Wirtschaftliche Triebkräfte sind vorhanden bzw. können eingesetzt werden, wie die Pressemitteilung "Wenn der Markt das Klima schützt" beschreibt.So sei inzwischen auch China dabei, einen Emissionshandel für COaufzubauen.
"Kalifornien beginnt Emissionshandel im Jahr 2012", und würde damit "einmal mehr... zu einem Vorreiter in der amerikanischen Umweltpolitik", auch wenn "die Verschiebung der Machtverhältnisse im Kongress zugunsten der Republikaner... es noch weniger wahrscheinlich gemacht [hat], dass ein landesweiter Emissionshandel Realität werden könnte".
Verschiedene Industriebranchen haben das Potenzial zur Innovation und damit zum geschäftlichen Vorteil erkannt.
Versicherungsgesellschaften begannen die die zunehmenden Schäden zu berechnen, siehe "Klimawandel löst immer mehr Unwetter aus". Seit
1980 habe sich die Zahl der wetterbedingten Schadensereignisse verdreifacht.

Bei der Nutzung von Solarenergie wurde begonnen, in großen Maßstäben zu denken: Das Projekt "Desertec" gegründet von Banken, Versicherungen, Energieerzeugern und Technologiefirmen, plant die Sahara anzuzapfen.
Die beobachtete Aufwertung des Themas "Klima" in der Produktwerbung lässt sich als Antwort auf die erhöhte Sensibilität der regionalen Öffentlichkeiten deuten.

 

 

 

Stand Dezember 2010