NEU! Das Buch:

"Dilemma - Warum wir unsere Ressourcen zerstören, obwohl wir es doch besser wissen"

 

Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) - Weltklimarat: 6. Sachstandsbericht

 

Zahlen heute

November 2021

 
        Geschichte des globalen Temperaturwandels über 2000 Jahre
linker grauer Balken: Wärmste Periode innerhalb der letzten 100 000 Jahre. Sie trat vor ca. 6500 Jahren auf, während der aktuellen Warmzeit (Zwischeneiszeit).
graue Schattierung: Fehlerbereich für Temperaturrekonstruktionen
Quelle: IPCC 2021 (2)

  • Die globale Oberflächentemperatur stieg von 1850-1900 bis 2011-2020 um 1,09 oC, davon auf dem Meer um 0,88 oC und auf dem Land um 1,59 oC.
  • Die Arktiseisfläche ging in den letzten 30 Jahren im März / September um 10% / 40% zurück.
  • Der Meeresspiegel stieg seit 1900 um 20 cm, zuletzt betrug die Zunahme 3,7 mm/Jahr.
  • Die Vegetationsperiode verlängerte sich auf der Nordhalbkugel seit 1950 um rund zwei Tage pro Dekade.

Die menschlich verursachte Strahlungsleistung (radiative forcing) hat sich seit dem letzten IPCC-Bericht von 2,3 W/m2 (2011) auf 2,7 Watt/m2 (2019) erhöht. Darunter sind auch negative (abschwächende) Summanden wie Aerosole, die etwa -1,1 W/m2 beitragen. Die restlichen Summanden, darunter im wesentlichen die bekannten Klimagase, machen also rund 3,8 Watt/m2 aus.
Von diesen hat CO2 den größten Anteil mit 57%, es folgen Methan (CH4) mit 14%, danach halogenierte Verbindungen und troposphärisches Ozon (O3) mit je rund 11% und Lachgas (N2O) mit 6%. Albedoänderungen durch Landnutzung, Schnee, Eis und Ruß kommen hinzu.

Halogenierte Verbindungen werden heute kaum noch abgegeben, da die meisten seit den späten 1980er Jahren verboten worden waren, um das Ozonloch in der Stratosphäre, das die gesundheitsgefährliche UV-B-Strahlung erhöhte, abzuwehren. Ozon in der Troposphäre (untere Atmosphäre) wird durch menschliche Aktivitäten verursacht, etwa durch chemische Reaktionen mit Stickoxiden.

Anmerkung zur Klimawirksamkeit des Fliegens:
Im IPCC-Bericht sind die flugbedingten Kondensstreifen und Cirruswolken eigens aufgeführt, mit 0,06 W/m2 Strahlungsleistung. Dies ist rund 2,2% der Gesamtsumme der menschlich verursachten Strahlungsleistung. Setzt man dies in Beziehung zum verbrauchten Flugbenzin - global entsprechend rund 3,0% der fossilen CO2-Erzeugung - kann man ableiten, dass ein durchschnittlicher Flug etwa 1,7 mal so klimaschädlich ist wie direkt aus dem CO2-Aussstoß berechnet werden kann. 

CO2 ist mit dem größten Wirkungsanteil und der längsten Lebensdauer (in der Atmosphäre ist es thermodynamisch unendlich lang stabil) das wichtigste Treibhausgas. Heute werden 56% des vom Menschen erzeugten zusätzlichen CO2 vom Land und vom Meerwasser zu etwa gleichen Teilen aufgenommen. Bei weiteren Steigungen wird der in der Luft verbleibende Anteil relativ zunehmen.

    Bewertung der Veränderung von landwirtschaftlichen
                    und ökologischen Trockenheiten

gelb: Zunahme; grün: Abnahme; grau: zu wenige Daten; weiß: widersprüchliche Daten
2/1 schwarze Punkte: mittlere/niedrige Zuverlässigkeit der Zuordnung zum menschengemachten Klimawandel
Quelle: IPCC 2021 (2)
   Bewertung der Veränderung von Starkniederschlägen
grün: Zunahme; grau: zu wenige Daten; weiß: widersprüchliche Daten
3/2/1 schwarze Punkte: hohe/mittlere/niedrige Zuverlässigkeit der Zuordnung zum menschengemachten Klimawandel
Quelle: IPCC 2021 (2)


Es stellt sich die Frage, ob neben den eindeutig zuzuordnenden statistischen Effekten wie Temperaturerhöhung, Eisrückgang oder Meeresspiegelanstieg auch Extremereignisse in Häufigkeit und Stärke mit dem Klimawandel korreliert sind.
Bei Beobachtungen in der jüngeren Vergangenheit arbeitet der IPCC-Bericht mit Wahrscheinlichkeiten:

  • Es ist wahrscheinlich, dass starke tropische Wirbelstürme (Kategorie 3-5) in den letzten 40 Jahren zugenommen haben.
  • Starkregenereignisse (1-5-Tages-Maxima) haben global zugenommen. Dies ist wahrscheinlich durch menschlichen Einfluss verursacht, wobei die lokale Zuordnung nur mit niedriger Zuverlässigkeit möglich ist (siehe Karte oben rechts)
  • Menschlicher Einfluss hat wahrscheinlich Hitzewellen und Trockenheiten (mit Brandgefahr) zunehmen lassen (siehe Karte oben links).

 
   Globaler anthropogener CO2-Ausstoß seit der industriellen Revolution (1750) (links)
Jährlicher CO2-Ausstoß in 10-Jahres-Mittelwerten der vergangenen 40 Jahre (rechts)
Quelle: IPCC 2021, verändert nach (3)

Die Tabelle rechts zeigt die globale CO2-Bilanz über die letzten gut 250 Jahre seit Beginn der "Industriellen Revolution", die die Verwendung fossiler Brennstoffe in größerem Maßstab erst möglich machte. Es werden die Emissionen (wo kommt das CO2 her?) und die Immissionen (wo geht das CO2 hin?) aufgeführt.
Im linken Teil der Tabelle kann man ablesen, dass in den ersten 100 Jahren ab 1750 zwar erst vernachlässigbare Mengen an Kohle, Öl und Gas verbrannt wurden (<1 Gt CO2), jedoch bereits eine erhebliche Emission durch "Landnutzung" entstand (110 Gt CO2) (5). Diese war im Wesentlichen auf die nichtnachhaltige Abholzung von Wald zurückzuführen, die unter anderem dem Schiffbau, der Herstellung von Brennholz oder Holzkohle und der Umwandlung in Ackerfläche diente.
Ozean und Boden nehmen mehr als die Hälfte des CO2 auf, der Rest verbleibt in der Atmosphäre. Bis 2019 wurden gesamt 2400 Gt CO2 durch menschliche Tätigkeiten emittiert.
Der rechte Teil der Tabelle zeigt die vergangenen vier Dekaden.
Rot gekennzeichnet ist der jährliche Ausstoß von CO2, der sich in der Dekade 2010-2019 auf 40,3 Gt belief. Zu beachten ist, dass dieser nicht nur kontinuierlich zunahm (in 40 Jahren fast eine Verdoppelung), sondern dass die Mengen in jeder Dekade sogar prozentual steigen:

  • 1980er bis 1990er Jahre: 1,4% pro Jahr
  • 1990er bis 2000er Jahre: 1,7% pro Jahr
  • 2000er bis 2010er Jahre: 1,9% pro Jahr (6)

Die inzwischen schon rund 30 Jahre alte Klimadiskussion (der IPCC veröffentlichte seinen ersten Sachstandsbericht 1990) führte also bisher noch nicht einmal zu einer Verringerung der CO2-Ausstoß-Steigerungsraten (siehe allerdings nächste Seite), geschweige denn zu einer Abnahme. Alle bisherigen technischen Ansätze werden durch klimagasrelevantes Wirtschaftswachstum überrollt. Dies ist die globale Sicht - verschiedene Länder haben an dieser Entwicklung unterschiedliche Anteile.

 
      Veränderungen des atmosphärischen CO2 und der globalen Oberflächentemperatur (bezogen auf 1850-1900)
                                                 von der tiefen Vergangenheit bis in die nächsten 300 Jahre
y-Achse: athmosphärische CO2-Kontentration (ppm)
x-Achse: Zeit in verschiedenen Skalen
rechts farbig: Verschiedene IPCC-Szenarien, siehe nächste Seite Emissionsszenarien
Quelle: IPCC 2021, verändert nach (4)

Diese Grafik zeigt den CO2-Gehalt der Erdatmosphäre während der letzten 60 Mio. Jahre. Unten sind jeweils die zugehörigen Temperaturen (als Differenz zum Jahr 1850) genannt. Man kann ablesen, dass Temperatur und CO2-Gehalt in etwa miteinander korrelieren. Vor etwa 50 Mio. Jahren gab es einen Temperaturpeak mit einem Delta von 14oC bei knapp 2000 ppm CO2-Gehalt. 
Rechts in der Grafik sind Szenarien bis 2300 dargestellt (Erklärung zu diesen siehe die folgende Seite). Dort werden bei ebenfalls rund 2000 ppm-Gehalt an CO2 (Szenario SSP5-8.5, rote Linie) "nur" 9,5oC Temperatursteigerung berechnet. Warum der Unterschied? Die Situation vor 60 Mio. Jahren ist mit heute nur bedingt vergleichbar, da sich innerhalb dieser Zeitspanne durch die Kontinentalverschiebung Landmassen bewegt hatten, dergestalt, dass umgelenkte Meeresströmungen eine Abkühlung begünstigten (siehe Klimafaktoren der Erdgeschichte, dort Kapitel 2). Das CO2 heute wirkt also etwas schwächer als vor 60 Mio. Jahren. 

Die nächste Seite beschreibt die vom IPCC benutzten Zukunftsszenarien genauer.



Quellenangaben und Anmerkungen
(1) Sixth Assessment Report of the IPCC, "Climate Change 2021 - the Physical Science Basis", Working Group I, 2021
(2) wie (1), dort: "Summary for Policymakers"
(3) wie (1), dort: Chapter 5: "Global Carbon and other Biogeochemical Cyles and Feedbacks"; Fehlerbalkenangaben wurden weggelassen, die Originalzahlen von Kohlenstoff auf Kohlenstoffdioxid umgerechnet
(4) wie (1), dort "Technical Summary"; die x-Achse wurde neu gezeichnet und die Temperaturangaben von einer graphischen Darstellung übernommen.  
(5) 1 Gt (Gigatonne) = 1 Milliarde Tonnen
(6) näherungsweise berechnet aus der dekadischen prozentualen Steigerung laut Tabelle, die auf jährliche prozentuale Steigerung umgerechnet wurde



nächste Seite: Emissionsszenarien
vorherige Seite: IPCC-Bericht 2021