Bundesweites Pilotprojekt "innovative Schallschutztechnologien" abgeschlossen und vermessen:
Wie geht es in Neuostheim weiter?

 

Ergebnisse des bundesweiten Technologietests der DB
         - Bericht der DB zum innovativen Lärmschutz ist veröffentlicht -
 

Die DB Netz veröffentlichte am 15.6.2012 den Abschlussbericht zum bundesweiten Test innovativer Lärmschutztechnologien im Rahmen des Konjunkturprogrammes II ("Innovative Maßnahmen zum Lärm- und Erschütterungsschutz am Fahrweg"). (Quellenangabe für die Abbildungen: der genannte Bericht)

Die Bahn hat insgesamt 11 verschiedene Lärmschutz-Technologien erprobt, darunter Schienenstegdämpfer, verschäumte Schotter, verschiedene Lärmschutzwände, geschmierte Schienen etc. (siehe Übersicht rechts).

Diese Technologien wurden an bundesweit etwa 53 Standorten in insgesamt 82 Maßnahmen erprobt (siehe Karte unten). In Neuostheim wurden Schienenstegdämpfer und niedrige Schallschutzwände (nSSW) erprobt. 

Wir wollen im Folgenden eine kurze Übersicht über die Ergebnisse des Berichts geben und danach eine kurze Bewertung aus unserer Sicht im Hinblick auf die zukünftige Situation.

Dabei geben wir schlagwortartig Ergebnisse aus dem Bericht wieder sowie eine Einschätzung aus unserer Sicht - für Details sei die Lektüre des Berichts empfohlen.

 

1. Ergebnisse des Berichts

Die erprobten Technologien lassen sich in folgende Wirkbereiche differenzieren (S. 101):
- Lärmminderungsmaßnahmen, die an der Quelle ansetzen,
- Lärmminderungsmaßnahmen, die am Ausbreitungsweg ansetzen und
- Lärmminderungsmaßnahmen, die an besonders lärmintensiven Stellen eingesetzt werden können.

Im Detail werden in dem Bericht die Lärmminderungseffekte dargestellt, insbesondere auch im Hinblick auf die Kosten der Technologien. Die Abbildung rechts zeigt eine Gesamtdarstellung der Technologien und ihrer Wirkungen. Betont werden muss dabei, dass sich nicht jede Technologie überall einsetzen lässt. Die rechts dargestellten „Jahreskosten / km dB“ wurden mit Hilfe der realen Projektkosten ermittelt und stellen somit nur bedingt eine Prognose für die Kosten im breiten Einsatz dar.
 

Die zwei in Neuostheim zum Einsatz gekommenen Technologien sind 55 cm hohe niedrige Schallschutzwände (nSSW) und Schienenstegdämpfer (SSD) mit einer Wirkung von 3 dB und 2 dB. Die Summenwirkung beider Technologien wird mit 4,5 dB angegeben (S.100). Die Werte beziehen sich jeweils auf 25 m Abstand und 3 m Höhe über Gleismitte.
 

2. Bedeutung der Ergebnisse für Neuostheim

Was bedeutet dies für den Neuostheimer Streckenabschnitt und wo stehen wir in Bezug auf die zukünftige Weiterentwicklung für Neuostheim?

Die Ergebnisse zeigen eine messbare, aber dennoch vergleichsweise geringe Wirkung der eingesetzten Technologien: “Schienenstegdämpfer 2 dB“ (an der Riedbahn installiert; mit breiter Streuung der verschiedenen Hersteller) und “niedrige Schallschutzwand 55 cm 3 bzw. 2 dB für gleisnahes bzw. -fernes Gleis“ (an der Riedbahn für ein Gleis installiert). 

Im Kapitel "Niedrige Schallschutzwände" (S. 61 ff) schreibt die DB "Transporte mit überbreiten Gütern (Transporte mit Lademaßüberschreitungen) sind bei nSSW mit einer Höhe von 55 cm über SO [Schienenoberkante] nur eingeschränkt, bei einer Höhe von 74 cm über SO nicht mehr möglich." (S 61).
Deutschlandweit wurden an nur drei von neun Orten 74-cm-nSSW getestet (S. 62).
Die akustische Wirkung, gemessen in 25 m Abstand und 3,5 m über der Schienenoberkante, betrug für Güterzüge 5/4 dB  (74 cm nSSW) beziehungsweise 3/1 dB (55 cm nSSW) für das wandnahe/ferne Gleis (S. 64/65).

Der für den Laien überraschend hohe Unterschied zwischen 55- und 74-cm-nSSW wurde auf Anfrage damit erklärt, dass bei dem angewendeten Messwinkel (entsprechend ca. 8 Grad von oben) zwar die hauptlärmerzeugende Kontaktstelle Rad-Schiene abgeschirmt sei, jedoch nicht der gesamte Drehgestellbereich, der mit lärmabgebend sei.
Weiter schreibt die Bahn: "Die Maßnahme nSSW wirkt insbesondere, wenn das emittierende Gleis in Dammlage und damit oberhalb der zu schützenden Objekte liegt."
"Weiter besteht Optimierungsbedarf für nSSW an Strecken, auf denen häufiger Transporte mit Lademaßüberschreitungen durchgeführt werden. Die nSSW werden in das Regelwerk überführt." (S. 69).

"Bei Lärmvorsorge- und Lärmsanierungsmaßnahmen kann hiermit beispielsweise in örtlichen Situationen, in denen Schallschutzwände aus städtebaulichen Gründen nicht eingesetzt werden können, ein verbesserter Schutz des Außenbereichs bewirkt werden. Durch die innovativen Maßnahmen kann die Lärmminderung, die durch die Umrüstung von Bestandsgüterwagen auf lärmarme Verbundstoffbremssohlen (sog. Flüsterbremse) erfolgt, nochmals verstärkt werden." 

Im Kapitel "Schienenstegdämpfer und Schienenabschirmung" (S. 18 ff) schreibt die DB: Schienenstegdämpfer verschiedener Hersteller wurden mit 1-3 dB Schallminderung gemessen (S. 22). Dies führt zur "Anwendungsentscheidung: Die DB Netz AG wird die SSD einsetzen, wenn eine Wirksamkeit von 3 dB bei verbesserter Wirtschaftlichkeit gegeben ist." (S. 25).
Die Schienenstegabschirmung lieferte zwar Mittelwerte von 3 dB (s.o.), jedoch für Güterzüge nur 0-1 dB (S. 27).  
 

3. Zusammenfassende Bewertung

Die Ergebnisse der Bahn zeigen, dass mit den innovativen Lärmschutztechnologien einiges erreicht worden ist, jedoch mit Sicherheit noch nicht das Optimum.

Aus unserer Sicht ist nun folgendes geboten:

  • Wir fordern die baldestmögliche – nach bautechnischer Genehmigung der neuen Technologien durch das EBA (Eisenbahnbundesamt) und Erweiterung des Lärmsanierungs-“Baukastens“ um diese Technologien – Überführung des Pilotprojektstatus in den Status der Lärmsanierung.

    Auf diesem Weg können gemäß des neu erarbeiteten Standes der Technik weitere Verbesserungsmaßnahmen koordiniert geplant und umgesetzt werden, wie z. B.:
     
  • Ergänzung der aktiven Lärmschutztechnologie der Bahn an Gleis und Wagenmaterial durch passive Lärmschutztechnologie (Lärmschutzfenster), insbesondere bei den oberen Stockwerken der Anlieger
     
  • Zusätzlich Anwendung des Hochgeschwindigkeitsschleifens (HGS), das bis zu 3 dB bringt
     
  • Schrittweise Ergänzung der Schienenstegdämpfer durch die jeweils beste Technologie (es gibt verschiedene Typen)
     
  • Verbesserung der niedrigen Schallschutzwände durch Ersatz der eingebauten Technologie durch neuere bessere Technologien (bei Ersatz der bisherigen Bauteile).

Alles in allem sind wir froh, dass die Bahn diese Technologien auch hier in Neuostheim erprobt hat, - dadurch sind früh in den Genuss von etwas Lärmminderung gekommen, was sich u. E. subjektiv insbesondere in dem Ausbleiben der Lärmspitzen geäußert hat (laute Güterzüge sind leider nach wie vor laut und zu laut, aber nicht mehr über der Schmerzgrenze; das Wichtigste bleibt die Umrüstung der Güterwaggons, wie jeder von uns an den gelegentlich vorbeifahrenden leisen Güterzügen feststellen kann).

Das Projekt war ein bedeutender Schritt auf dem richtigen Weg. Insoweit bleibt es unsere Aufgabe, weiter für eine Verbesserung des Lärmschutzes im o.g. Sinne einzutreten.

 

Wir danken allen Beteiligten für die bisher geleistete Unterstützung und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

Stand September 2012