Wert der Freiheit - Aussagen eines Politikers, der Revolution, Versöhnung und Vision erfolgreich verbunden hatte

 

Václav Havel: Wertewandel mitgestalten

Václav Havel, führender Regimekritiker während der kommunistischen Ära der Tschechoslowakei, Mitgestalter der "samtenen" (gewaltfreien) Revolution, erster Präsident des Landes und folgend, nach der Teilung, der Tschechischen Republik, starb kurz vor Weihnachten 2011.

Die folgenden Zitate stammen aus einem Vorabtext für das Buch "Wertewandel mitgestalten. Gut handeln in Gesellschaft und Wirtschaft" (Quelle: FAZ vom 24.12.2011, "Vom Wert der Freiheit").

  •  "(Denn) die Freiheit ist wie das Meer. Die einzelnen Wogen vermögen nicht viel, aber die Kraft der Brandung ist unwiderstehlich."
  • "Unsere Gesellschaft hat jahrzehntelang in einem verdorbenen sittlichen Klima gelebt". ... "Es geht - mit anderen Worten - um die Kultur der Demut vor der Welt und - wenn ich das so sagen darf - tatsächlich [um den] guten Willen, der gegen die Kultur der Intrigen, Lügen, des Betrugs und Abmachungen hinter den Kulissen steht. Es geht um die Politik als praktizierte Verantwortung für die Welt, nicht als bloße Technologie der Macht."
  • "(Denn) das, wonach ich strebe, hat nicht den Charakter eines erreichbaren Ziels, das man in einem bestimmten Augenblick als erreicht aus der Liste dessen, was zu tun ist, streichen kann, sondern eher den Charakter eines Ideals, dem näherzukommen wir uns ständig bemühen, dem wir mal näher, mal ferner stehen, das wir aber nie erreichen können."
  • "Die Freiheit wird jedoch nicht nur durch autoritäre Systeme bedroht. Auch die immer weiter fortschreitende Globalisierung verändert das Gesicht unserer Welt. Es ist eine fast banale Wahrheit: Wir leben in einer einzigen globalen Zivilisation. Ihre Identität liegt nicht nur in der ähnlichen Kleidung, ähnlichen Getränken oder im ständigen Dröhnen der gleichen gewerblichen Musik auf der ganzen Welt. Sie liegt in etwas Tieferem: In der Idee des Fortschrittes mit ihrem innewohnenden Expansionismus und der schnellen Entwicklung der Wissenschaften." 
    "Theoretisch gibt es [der Menschheit] die Fähigkeit, weltweit zu kommunizieren und zudem auch die Mittel, um sich selbst gegen viele gemeinsame Gefahren zu verteidigen."
    "Und dennoch ist vieles nicht im Lot. Denn diese globale Zivilisation ist nicht mehr als eine dünne Fassade. Sie ist neu und zerbrechlich, und die Menschen haben dies geradezu atemberaubend schnell akzeptiert. Im Wesentlichen überdeckt diese neue Haut von Weltzivilisation die unermessliche Vielfalt an Kulturen, Menschen, religiösen Welten, historischen Traditionen und historisch geformten Einstellungen. Doch gleichzeitig brodelt es unter dieser Haut."
  • "Der Widerspruch zwischen fortschreitender Globalisierung und Technisierung der Welt und einem großen Teil der Menschheit, die dieser Entwicklung nicht folgen will oder kann, ist eine klare Herausforderung für unsere gegenwärtige Zivilisation."
  • "Beim Nachdenken über die Probleme unserer Zivilisation stoße ich immer wieder auf das Thema "Verantwortung". Noch scheinen die Menschen dazu nicht fähig oder nicht bereit zu sein, für unseren Planeten Verantwortung zu übernehmen. Doch es gibt keinen Weg zurück."
  • "Wir müssen unseren egoistischen Anthropozentrismus, die Angewohnheit, uns selbst als Meister des Unviversums zu sehen, ablegen. ... Dies alles ist jedoch nur möglich, wenn wir die kosmische Ordnung achten ud uns bewusst werden, dass wir ein Teil dieser sind."