Die Ursachen für die Überweidung der Allmende-Wiese, für die Destabilisierung des Finanzsystems, analysiert aus der Vorteil-Nachteil-Betrachtung der einzelnen Akteure

 

Ursachen
 

Aus der Sicht der Allmendetheorie wird die Gemeindewiese dann überweidet, wenn der Konsens der Schafzüchter, das Gemeingut nachhaltig zu erhalten und zu verbessern, geringer ist als die kurz- oder langfristigen Einzelinteressen des/der systembedrohenden Störer.
Aus der Vorteil-Nachteil-Betrachtung der Akteure
kann damit auf einfache Weise eine Ursachenliste erstellt werden.

1. Das konsumorientierte, gierige Verhalten der Kreditnehmer und Anleger
          Würden hochriskante Finanzprodukte nicht gekauft, wären sie auch nicht am Markt.

2. Die Intransparenz des Finanzmarktes
          Wäre verlässliche Information vorhanden, wären Konsumenten vorsichtiger.

3 .Das Spielkasinoverhalten der Banken und Hedgefonds, die ständig riesige Summen verwetten.
          Würden z. B. Warentermingeschäfte und Versicherungen ausschließlich
          bestimmungsgemäß zur Absicherung von Risiken der Realwirtschaft eingesetzt,
          ginge von ihnen kein destabilisierendes Risiko aus.

4. Die im Zeitalter der Informationstechnologie ermöglichte hohe Geschwindigkeit der Finanztransaktionen, die, zusammen mit der Hebelwirkung der Derivatisierung zur Instabilität des Systems führt (spekulative "Blasenbildung" mit Crashneigung). Siehe Herzkammerflimmern der Börse.
          Wären die Finanztransaktionen reduziert und im regeltechnischen Sinn stärker gedämpft, fiele
          der Einfluss auf realwirtschaftliche Konkunkturzyklen geringer aus.

5. Die selbstverstärkenden Effekte der Destabilisierung, die im Interesse der Zocker liegen.
Es handelt sich einerseits um kurzfristige Effekte, wie z. B. die Spekulation gegen Griechenland / Portugal / Spanien im Mai 2010, wobei nicht nur die "schlechteren Spieler" verlieren, sondern vor allem die Kunden der Realwirtschaft (die betroffenden Länder, Europa). Siehe Börse in Panik.
Andererseits geht es um langfristige Effekte, die sogenannten Blasen, in denen zuerst "alle" nominell gewinnen, z. B. durch Immobilienbesitz oder Aktienbesitz, nach dem Crash aber "alle" verlieren. Nur die geschickten Spieler, sie verdienen an jedem Trend. Die Zocker haben ein professionelles Interesse an Instabilitäten.
          Wären die spekulativen Blasen nicht vorhanden, fiele die Konjunkturzyklen erheblich milder aus.

6. Die Unfähigkeit der aktuellen ökonomischen Wissenschaft und ihrer Nutzer (Regierungen, Zentralbanken), die in den letzten zwei Jahrzehhnten exponentiell gewachsene Instabilität des globalen Finanzsystems zur Kenntnis zu nehmen geschweige denn wissenschaftlich zu bearbeiten.
          Hätte in den letzten Jahren eine Regulierung statt eine Deregulierung des Finanzwesens
          stattgefunden, hätte es keine Krise gegeben.

7. Die falschen Anreize der kurzfristig orientierten und unverhältnismäßigen Bonussysteme sowie der Bankenrettungen mit Steuergeldern
          Würden Nutzen und Schaden auf diesselbe Person / diesselbe Organisation fallen, wäre
          deren Verhalten ein völlig anderes.

Auch auf dem Weg von den Ursachen der Krise zu den Maßnahmen zur Vermeidung der nächsten hilft die Allmendetheorie. Es sind erstens die Gemeinschaftsinteressen zu definieren, und zweitens die richtigen Anreize zu entwickeln und zu realisieren, die die egoistischen (Einzelgruppen)-Interessen in systembewahrende/-verbessernde Aktionen kanalisieren.
Egoismen können der Natur sein "Nutzen für mich, Schaden für andere" oder "Nutzen sofort für mich, Schaden später".

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