Bevölkerungsentwicklung von Pakistan

 

Pakistan - weitere Bevölkerungsverdoppelung in 45 Jahren ?



Pakistan ist mit etwa 800 000 km2 gut doppelt so groß wie Deutschland. Im Norden und Westen liegen Hochgebirge und Halbwüsten, die südwestliche Hälfte besteht aus dem Schwemmland des Indus mit seinen Zuflüssen.
Das Klima ist kontinentalklimatisch und aride, mit Niederschlägen von 200-400 mm/Jahr, die meist im Sommermonsun fallen; die sommerliche Schneeschmelze bringt zusätzliches Wasser.
Die Bevölkerung betrug 2014 etwa 180 Mio. Einwohner (210 Personen / km2). Da die meisten in den Flussniederungen (Punjab im Norden, Sindh im Süden) leben, beträgt die Bevölkerungsdichte dort über 500 Einwohner pro Quadratkilometer, vergleichbar mit der angrenzenden indischen Region Punjab, die den Oberlauf der linken Induszuflüsse umfasst.
Pakistan ist Heimat einer der ältesten Stadtkulturen (Induskultur um ca. 2500 J. v. u. Z.). Später geriet die Region under hinduistische, buddhistische und ab dem 8. Jht. islamische Einflüsse. In der Kolonialzeit war es wie Indien Teil des British Empire. 1947 wurde bei der Gestaltung der Unabhängigkeit das mehrheitlich islamische Pakistan (damals mit dem heutigen Bangladesch zusammen) von Indien abgetrennt. Mehrere Millionen Moslems bzw. Hindus und Sikhs flüchteten über die neu entstandene Grenze.
Es werden etwa 50 Sprachen gesprochen; Amtssprache ist Urdu, die Sprache der aus Nordindien geflüchteten moslemischen Muhadschir. Die verbreitetste Sprache ist Sindhi (40 %).
96 % der Bevölkerung sind moslemisch, davon die große Mehrzahl Sunniten. Der Islam ist Staatsreligion. Hindus und Sikhs wurden im Rahmen der Teilung 1947 weitgehend vertrieben.  
Das Bruttoinlandprodukt pro Kopf beträgt etwa 1200 US $ (2800 US $ kaufkraftbereinigt; Stand 2011) (1).

 
                       Pakistan: Bevölkerungsentwicklung, Grundnahrungsmittelproduktion und Wald
Quelle: Eigene Darstellung mit Daten aus (2) und (3)
   


















Die obenstehende Graphik zeigt Geburtenraten, die von etwa sieben auf etwa vier gefallen sind, und eine damit einhergehende Bevölkerungsverdoppelung in 25 Jahren (1980-2005) bzw. 45 Jahren (Prognose 2005-2050).

Wie entwickelte sich die Nahrungsmittelversorgung?
1961 betrug die kalorische Versorgung unter 1900 kcal pro Tag und Person. 40 % davon waren Weizen, daneben Reis, Milch und Zucker aus Zuckerrohr. Ein Drittel des Weizens mußte importiert werden (4).
In den folgenden 50 Jahren wurden die Anbauflächen grob verdoppelt und die Flächenerträge durch die "Grüne Revolution" verdoppelt bis verdreifacht. Die Graphik zeigt, dass die Weizenproduktion so um das Sechsfache, die Reisproduktion um das Dreieinhalbfache stieg - stärker als die im selben Zeitraum vervierfachte Bevölkerung. Die Hälfte des Reises wurde exportiert (2010).
Nebenbei, auch die Baumwollproduktion stieg um das Achfache auf etwa 2,2 Mio. t, womit Pakistan der weltviertgrößte Baumwollproduzent (nach China, USA und Indien) wurde (3).



Die "Grüne Revolution" benötigte neben Saatgut, Dünger und Pestiziden auch Wasser, welches nun knapp wird. In der Nähe Karachis, mit einer halben Million Einwohner 1947 und heute über 21 Millionen, waren Brunnen vor 40 Jahren 8 m tief, vor 15 Jahren 70 m tief, und heute muss über 100 m gebohrt werden. Im Bereich der Fluss-Oberläufe im indischen Punjab ist die Situation vergleichbar: Das Grundwasser war damals auf 30 m, heute auf mehr als 300 m Tiefe. Heute gibt es dort 1,2 Mio. Brunnen (5).
Da aus dem Indus und seinen Zuflüssen im Norden mehr Wasser ableitet wird, sinkt der Pegel im Süden und Salzwasser dringt aus dem Delta landeinwärts, mit etwa einem Kilometer pro Jahr, und macht das Land unfruchtbar (5).
Ein Drittel der pakistanischen Kinder sind chronisch unterernährt.
In den letzten 20 Jahren haben sich im indischen Punjab mehr als 40 000 Bauern das Leben genommen, häufig mit Celphos (Aluminiumphosphid), einem dort frei verfügbaren Rattengift. Der gängige Grund ist Überschuldung, da sie Saatgut, Dünger und Pestizide nicht mehr bezahlen konnten (5).

44 % der Pakistanis können nicht lesen und schreiben (vgl. 13 % für Iran, 5 % für Indonesien als Beispiele anderer großer muslimischer Länder), darunter 53 % der Frauen und 30 % der Männer. 33 % der Mädchen und 21 % der Jungen besuchen keine Grundschule (Stand 2015, (6)).
1995 wurde von pakistanischen Geschäftsleuten die Privat-Bildungsinitiatve TCF ("The Citizens Foundation") gegründet, die heute 830 Schulen mit 5400 Lehrerinnen (alle weiblich, da Eltern ihre Töchter nicht zu männlichen Lehrern schicken würden) und 115 000 Schülern betreibt. Es kommt vor, dass Islamisten Schulen zerstören, da dort Mädchen ausgebildet würden (Stand 2013, (5)).

 
                      Verhütungsmittelnutzung in Pakistan
in % der verheirateten Frauen zwischen 15 und 49 Jahren
Quelle: Guttmacher Institute (7)
   

2002 waren 2,4 Millionen oder ein Viertel aller Schwangerschaften ungewollt, davon wurden knapp 900 000 (14 % aller Schwangerschaften) abgetrieben, die meisten illegal und unsicher. 200 000 Frauen wurden wegen Komplikationen in Kliniken nachbehandelt, davon starben ca. 10 %. Diese Zahlen stellen wahrscheinlich nur die Spitze des Eisberges dar.
Der durchschnittliche Kinderwunsch der pakistanischen Frauen beträgt 3,1 Kinder. Abgetrieben wird zumeist von verheirateten Frauen (97 %; dies steht im Gegensatz z. B. zu afrikanischen Regionen, wo unverheiratete Frauen einen größeren Anteil haben), die bereits 3-4 Kinder (32 %) oder 5 und mehr Kinder (49 %) haben. Als Grund wird meist "genügend Kinder" oder "Armut" angegeben.
Nur etwa 30 % der gebärfähigen Frauen betreibt Verhütung (s. Graphik rechts), davon nur etwa 2/3 mit modernen Methoden.
Als Ablehnungsgründe wurden genannt:
"Es liegt in Gottes Hand" (28 %)
"Kein Schwangerschaftsrisiko vorhanden" (25 %)
"Ablehnung durch Ehegatten oder andere" (23 %)
"Unkenntnis oder Angst vor Nebenwirkungen" (15 %) (7).

Bangladesch, bis 1971 Ostpakistan, ist in vielem vergleichbar: Dominiert durch Flussniederungen des Ganges, Brahmaputra und anderer Himalayaabflüsse, mehrheitlich islamische Religion, sehr hohe Bevölkerungsdichte (1090 Einwohner pro Quadratkilometer), niedriges Bruttoinlandprodukt (ca. 680 US $ pro Kopf, kaufkraftbereinig ca. 1700 US $ pro Kopf, Stand 2011) (1).

Eines jedoch ist anders: Die Geburtenrate sank in 30 Jahren von 6,0 auf 2,2 (2).

Woran mag das liegen?
Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Ländern ist der Bildungsgrad: In Bangladesch können nur 17 % der Bevölkerung nicht lesen und schreiben, und nur 5 % aller Kinder gehen nicht in die Grundschule (Mädchen 3,5 %, Jungen 7,4 %) (Stand 2010, (6)).






Quellenangaben und Anmerkungen
(1) Wikipedia, abgerufen 12.7.16
(2) UN World Populations Prospects, 2015
(3) FAO Stat, Version von 2014 (Food and Agricultural Organisation of the United Nations)
(4) FAO Stat, Version von 2014, Food Balance Sheets
(5) A. Weisman, "Countdown" (London: Little Brown Group, 2013)
(6) UNESCO, Institute for Statistics, dort Länderdatenbank UIS-Stat / Education
(7) M. Vlassov et al., "Abortion in Pakistan" (New York: Guttmacher Institute, 2009)