Das Allmendeproblem als Spezialfall des "sozialen Dilemmas": Institutionen als Plattform

 

Allmendeproblem
 

Dieser Artikel bezieht sich im wesentlichen auf die Arbeit der amerikanischen Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom, die für ihre Arbeiten zum Verständnis des Allmendeproblems 2009 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt (s. auch Buchtipps).

Ostrom identifizierte das Allmendeproblem als eine Unterkategorie des sogenannten "sozialen Dilemmas", das immer dann vorhanden ist, wenn in einer Gruppe egoistische Einzelentscheidungen zu schlechteren Einzel- und Gruppenergebnissen führen als kooperierende Entscheidungen. Das wohl bekannteste Beispiel aus der Spieltheorie ist das "Gefangenendilemma".

Das Allmendeproblem tritt auf, wenn eine öffentliche Ressource durch egoistisches Handeln überlastet oder zerstört wird, wodurch der Gruppennutzen (Summe der Einzelnutzen) letztlich geringer wird.
Hierzu gibt es auch den Begriff "Schwarzfahrerproblem": Der Einzelne mag sich frei bedienen wollen, ohne sich an den Kosten / dem Aufwand der Erhaltung zu beteiligen.

Was ist in diesem Zusammenhang mit dem Begriff "öffentliche Ressource" gemeint?
Die rechts stehende Tabelle teilt Güter (materielle und immaterielle) nach zwei Kriterien auf: Danach, ob sie sich durch Benutzung verbrauchen, und danach, wie schwierig es ist, potenzielle weitere Nutzer auszuschließen.
Güter, bei denen Drittnutzer im Regelfall leicht auszuschließen sind (obere Zeile), sind typischerweise Privateigentum (z. B. ein Grundstück) oder sich verbrauchende Privatgüter, also Konsumgüter (wie Nahrungsmittel oder Urlaubsreisen). Ist die Nutzung eines Gutes durch beliebige Dritte schwierig oder nicht einzugrenzen, handelt es sich häufig um ein öffentliches Gut (untere Zeile). Zur Unterscheidung von sich nicht verbrauchenden Gütern (wie Frieden, Rechtssystem [s. aber weiter unten], Landschaft "zum Anschauen") werden sich verbrauchende Güter auch als öffentliche Ressourcen bezeichnet. Darunter fallen z. B. Wald, Fischbestände, Wasser, die Atmosphäre, Boden, Biodiversität u.ä., insoweit sie durch Abholzen / Fang / Verbrauch / Verschmutzung usw. genutzt werden. Auch nichtmaterielle öffentliche Güter fallen unter diese Kategorie, sofern sie durch Aktionen verbraucht / geschädigt werden: Frieden durch Gewalt, ein Rechtssystem durch Korruption, die Europäische Währungsunion durch Bereicherung.

Zur Beschreibung des Entscheidungsumfeldes einer Gruppe von Menschen, die sich in einer sozialen-Dilemma-Situation oder Allmendesituation befinden, benutzt Elinor Ostrom den Begriff der "Institution", worunter in diesem Zusammenhang die Anleitungen oder Rezepte zu verstehen sind, die Menschen beim wiederholten Umgang miteinander benutzen, also z. B. in Familie, Nachbarschaft, Firmen, Märkten, Vereinen, Kirchen oder Regierungen jeder Ebene.
Wer im Straßenverkehr rechts fährt, die Vorfahrtsregeln beachtet und bei Grün und nicht Rot über die Ampel fährt, und dies auch von den anderen Teilnehmern erwartet, agiert in einer Institution. Wer in einem Supermarkt die Waren aus dem Regal nimmt und sie an der Kasse bezahlt, wenn er an der Reihe ist, befindet sich in einer Institution. Wer seinen Kindern bei den Hausaufgaben hilft oder mit seiner Familie zu Abend isst, handelt im Rahmen einer Institution. Die Institution in diesem Sinn ist der aus Erfahrungen und Erwartungen bestehende Rahmen für soziales Interagieren.    

Auf den weiteren Seiten werden die Bausteine der "Institution" erläutert und die Begriffe Strategie, Norm und Regel eingeführt. Sodann werden mit einem kleinen Ausflug in die Spieltheorie experimentelle Ergebnisse vorgestellt, die vom "homo oeconomicus" oder dem "rationalen Egoisten" abweichen, Modelle, von denen häufig unterstellt wird, dass sie das Verhalten - z. B von Marktteilnehmern - vollständig beschreiben. Es folgt eine Diskussion der für die Entscheidungsfindung verwendeten Werte.
Als Fazit werden Designprinzipien für eine erfolgreiche Allmendeverwaltung genannt, die Elinor Ostrom aus einer Vielzahl lokaler Fallanalysen ableitete, sowie wesentliche Risikofaktoren. 


Quellenangaben
E. Ostrom, "Understanding Institutional Diversity" (Princeton: Princeton University Press, 2005)