Die Klimawende im gesellschaftlichen und politischen Kontext: Ein globales soziales-Dilemma-Problem

 

Aktionsräume aus Sicht der Vereinten Nationen

Die Arbeitsgruppe III des 5. IPCC-Berichts von 2013/2014 (1) beschäftigt sich mit dem politischen Aspekt der Verringerung des Klimawandels ("Klimawende" (2)). In welchem gesellschaftlichen Zusammenhang steht das Thema?


Es folgt eine Auswahl von Kernsätzen zu den prinzipiellen Rahmenbedingungen (3):


- Die Klimawende ist eine Intervention durch Menschen - deren Ziele in der UN-Klimawandelkonvention festgelegt sind: Die Stabilisierung der Treibhausgase soll so rasch erfolgen, dass sich die Ökosysteme natürlich anpassen können und damit Nahrungsmittelproduktion und wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig nicht gefährdet werden.

- Nachhaltige Entwicklung und Verteilungsgerechtigkeit sind die Basis für Klimapolitik. Klimawendemaßnahmen können einerseits helfen, Gerechtigkeit und Armutsverringerung zu verbessern, andererseits jedoch auch Entwicklungsansprüche behindern. Die Politik hat dies zu berücksichtigen. 

- Eine effektive Klimawende kann nicht erreicht werden, wenn individuelle Akteure ihre eigenen Interessen unabhängig verfolgen. Der Klimawandel stellt ein globales soziales Dilemma dar (siehe Allmendeproblem). Daher ist internationale Zusammenarbeit erforderlich. Diese kann auch die Wissensübertragung von Forschung und Entwicklung klimarelevanter Technologien befördern.  

- Gleichheit, Gerechtigkeit und Fairness sind zu beachten. Länder haben in der Vergangenheit unterschiedliche Treibhausgasmengen emittiert, und Länder haben unterschiedliche Fähigkeiten, um die Klimawende zu betreiben.
Voraussichtlich führen Ergebnisse, die als gerecht angesehen werden, zu einer effektiveren Kooperation. 

- Klimapolitik beinhaltet Entscheidungen bei mangelhafter Datenlage und ethische Überlegungen. Wieviel Klimaschutz ist notwendig und welcher Weg ist der beste? Soziale, ethische und ökonomische Analysen sollten menschlichen Wohlstand, kulturelle Werte und nicht-menschliche Werte umfassen (s. auch Bewertungsprinzipien von Ökosystemdienstleistungen).

- Klimapolitik überschneidet sich mit anderen gesellschaftlichen Zielen, sei es verstärkend oder abschwächend. Eine politische Förderung von positiven Überschneidungen ist zielführend. Darunter fallen z. B. Gesundheit, Nahrungssicherheit, Biodiversität, lokale Umweltqualität, Existenzgrundlagen, Gerechtigkeit.

- Es besteht das psychologische Risiko, negative Klimawandelkonsequenzen mit hoher Wirkung, aber niedriger Eintrittswahrscheinlichkeit zu unterschätzen, was zu nichtoptimalen Kosten-Nutzen-Betrachtungen führen kann. 

- Klimapolitik wird beeinflusst durch die Wahrnehmung von Risiken und Wahrscheinlichkeiten durch Individuen und Organisationen. Oft werden einfache Entscheidungsregeln wie z. B. die Bevorzugung des Status Quo angewendet. Individuen und Organisationen unterscheiden sich in ihrer Risikoscheu und ihrer vergleichenden Bewertung kurzfristiger vs. langfristiger Effekte und Handlungen. Formale Methoden können helfen, eine Vergleichbarkeit von Aussagen und Meinungen zu verbessern.




Quellenangaben und Erläuterungen
(1) IPCC 5th Assessment Report, Working Group III, 2014; dort: Summary for Policymakers
(2) "Climate change mitigation by reducing the sources or enhancing the sinks of greenhouse gases", deutsch "Klimawandelverringerung durch Reduzierung von Quellen oder Vergrößerung von Senken für Treibhausgase", frei übersetzt "Klimawende"
(3) Wie (1), Kap. SPM.2, Approaches to climate change mitigation





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